Das Märchen von der klugen Frau

Es war einmal ein kleines Königsreich, das von einem weisen und großzügigen Herrscher regiert wurde. Seine Untertanen litten keine Not und waren glücklich und dankbar für ihren achtbaren König. Sie befolgten seine Erlasse, wohl wissend, dass diese ihrem Wohlergehen dienten.
Eines Tages trug es sich zu, dass der König in Liebe zu einer schönen, aufgeweckten Königstochter aus einem benachbarten Land entbrannte. Die Prinzessin war klug und tief beeindruckt, wie gut der König sich darauf verstand, sein Reich zu verwalten. Vor allem schätzte sie seine Weisheit und Großherzigkeit. Der König hielt um die Hand der Prinzessin an, und sie willigte mit Freuden ein. Bald darauf hielt sie Einzug in seinem Schloss und wurde Königin. Der König war überglücklich und hielt seine kluge, schöne Frau in Ehren. Die Königin bewunderte ihren Gemahl und liebte es ganz besonders, ihre kalten Füße an seinen warmen zu reiben. :)

Nachdem sich die Königin in ihrem neuen Hauswesen eingerichtet hatte, erkannte sie, dass es dem König möglich wäre, der einen oder anderen Pflicht noch besser Genüge zu tun. Zum einen glaubte sie, es sei angeraten, das königliche Gold sicherer zu verwahren. Und zum anderen bemerkte sie, dass einige Untertanen nicht so eifrig arbeiteten, wie man es erwarten konnte, und die Haushaltsführung des Schlosses zu wünschen übrig ließ. Sie berichtete dem König, wie er diese Missstände ändern könnte. Darauf bedacht, seiner Gemahlin jeden Wunsch von den Augen abzulesen, versuchte der König nach besten Kräften, Abhilfe zu schaffen. Die Königin war zufrieden, doch es dauerte nicht lange, da fielen ihr immer neue Dinge auf, die einer Verbesserung bedurften. Der König fuhr in seinem Bemühen fort, ihr zu Willen zu sein. :)

In dieser Zeit begab es sich, dass sich das Blatt wendete. Das Volk war nicht mehr so zufrieden und wohlhabend wie zuvor. Die Leute schienen viel zu viel Zeit damit zu verbringen, sich gegenseitig zu befehden. Ungehalten über seine Unfähigkeit, ein Machtwort zu sprechen, tadelte die Königin ihren Gemahl und legte ihm hochtrabende und noch bessere Pläne vor, das Königreich zu regieren.
Der König begann an seinen Fähigkeiten als Herrscher zu zweifeln, während die Königin überzeugt war, dass er ihren Anforderungen niemals zu genügen vermochte; deshalb ließ sie ein zweites Schloss errichten, in dem sie Hof hielt. Bald sagten die Untertanen, die Königin verstehe sich besser als ihr Gemahl darauf, das Land zu regieren, und ein König, der nicht einmal den Kehricht ausleeren könne, müsse abdanken. Währenddessen wanderte der König wie betäubt durch sein Schloss und wünschte, das Fernsehen wäre erfunden, damit er eine Ablenkung hätte. Schließlich entbrannte ein erbitterter Kampf zwischen den Untertanen, die den König unterstützten, und denjenigen, die aufseiten der Königin standen. :thumbdown:

Die Königin verfasste den einen oder anderen Erlass, doch das Volk murrte und faulenzte unverdrossen. Das hatte zur Folge, dass der Handel zum Erliegen kam, weil niemand mehr einen Finger rührte. Es stand nicht zum Besten mit dem Königreich.
Die Königin wurde der Pflichten und Sorgen bald müde. Ein Übel folgte dem anderen, und niemand dankte ihr ihre Mühe. Der König zeigte sich nicht im Mindesten erkenntlich; es hatte sogar den Anschein, als sei er ihr feindlich gesonnen! :thumbdown:

Zudem fühlte sich die Königin einsam in ihrem Schloss, und ihre Füße wurden nie warm! Sie dachte mit Sehnsucht an die Zeit zurück, als sie gemeinsam mit dem König in der Kutsche
durch das Reich gefahren war, um es in Augenschein zu nehmen, den sorglosen Bauern zu winken und am Rande des Zauberwaldes einen köstlichen Bissen zu verzehren.
Zum Glück war die Königin eine kluge Frau, und so ersann sie einen Plan. Sie suchte ihren Gemahl auf und ließ ihn wissen, dass sie zu ihm zurückkehren wünsche. Der König hieß sie von Herzen willkommen, und bald spürte man im Schloss wieder die weibliche Hand. 8o

Am darauf folgenden Tag baten die Ratgeber um eine Audienz bei der Königin, um zu erfahren, was sie gegen den Aufruhr im Volk zu unternehmen gedenke. Die Königin verwies sie an ihren Gemahl, da sie das Regieren künftig ihm überlassen wollte. Der König wie vom Donner gerührt, war nicht sicher, welche Maßnahmen zu ergreifen wären. Doch die Königin erinnerte ihn daran, wie gut er sein Reich vor ihrer Vermählung verwaltet habe, und erklärte, dass sie ihm blind vertraue. :thumbup:

Schon am nächsten Morgen entwarf der König einen großartigen Plan, um den Handel neu zu beleben, dem Verfall der Zahlungsmittel Einhalt zu gebieten und das Vertrauen in die Schaffenskraft des Volkes zu stärken. Zu Beginn der nachfolgenden Woche deutete bereits alles darauf hin, dass die Not ein Ende haben würde.
Als sie sah, dass ihr nicht mehr alle Regierungspflichten oblagen, fiel der Königin ein Stein vom Herzen. Sie trat vor des Königs Untertanen, um seine Großtaten zu verkünden und daran zu erinnern, wie weise und edelmütig er stets gewesen sei. Sie pries seine Fähigkeit als Herrscher und erklärte, sie werde sich widerspruchslos seinen Anordnungen fügen und tun, was er als das Beste erachte. Nach ihren beflügelten Worten kehrte die Achtung der Untertanen für ihren König zurück, und sie waren begierig darauf, zu hören, was er zu sagen hatte.
Von diesem Tage an machte es sich die Königin zur Gewohnheit, dem König ihre Wünsche kundzutun, als sie beispielsweise den Zauberwald von Holzfällern schützen und verhindern wollte, dass die inder ein Schwert in die Schule mitnahmen. Zuweilen schmiedete die Königin Pläne, die klüger waren als die ihres Gemahls. Doch sie ließ ihn gewähren, wohl wissend, dass es über einen reichen Erfahrungsschatz als Verwalter seines Reiches verfügte. :thumbup:

Der König gewann das Vertrauen in seine Fähigkeiten als Herrscher zurück; das reich blühte wieder auf und Friede kehrte ein. Seine Untertanen waren zufriedener als je zuvor.
Eine kleine Sorge gab es indessen noch im Schloss, und so vertraute die Königin ihrem Gemahl an, dass sie seine Hilfe benötigte, um ihre Füße zu wärmen. Der König war froh, ihr zu Diensten zu sein, und sie lebten glücklich bis an ihre Tage. :love:

Ich habe für Euch ein paar kraftvolle Fragen zum reflektieren:

Warum tust du Dinge, von denen du genau weißt, dass sie dir nicht gut tun?
Warum haben Süchte die Macht, ein Leben zu zerstören?
Warum lässt du deinen Traum zu schnell los?

Kommunikation als Schlüssel zu dir selbst
Die Weisheit der Großmütte

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