Visionsoasen

Lidia Schladt im Interview

lidiahochkant

Ein herzliches Hallo in die Runde. Ich lade heute ein zur Interview Serie „Femme fatale“. Heute geht es um das Thema Visionen. Dazu habe ich mir Lidia Schladt – Logotherapeutin, Heilpraktikerin für Psychotherapie und integraler Coach in Bremen eingeladen.

Zu meiner großen Leidenschaft gehört es, mich mit anderen Frauen zu vernetzen, mich auszutauschen, mich in anderen Frauen selbst zu erkennen, um sich gegenseitig zu unterstützen. Im letzten Jahr ist daraus meine Vision entstanden, Frauen zu interviewen.

Der Januar ist bereits gegangen. Wir hatten sicher alle zu Silvester viele tolle Vorsätze für das neue Jahr. Vielleicht sind leider die einen oder anderen schon wieder eingeschlummert.

Was ist eigentlich eine Vision?

Eine Vision sind innere Bilder, innere Gedanken, sind Erfahrungen, sind auch Glaubenssätze und eigene Lebensregeln. Eine Vision trägt uns den ganzen Tag. Unsere eigenen Gedanken sind immer bei uns. Wir haben am Tag 80 000 Gedanken. Viele davon sind uns gar nicht bewusst, aber prägen unseren Alltag. Nun kommt es natürlich darauf an, wie bewusst ich mir meiner Vision bin und wie ich damit in meinem Alltag umgehe.

Ich weiß, dass Du eine große Vision für 2016 hast. Wie sieht Deine Vision aus?

Dankeschön für die einleitenden Worte. Die Vision für dieses Jahr betrifft meine Ausbildung, die ich zum integralen Imaginationscoach in Bremen anbieten möchte. Diese wird sich in einem Umfang von 1,5 Jahren bewegen. Es betrifft innere Bilder bzw. Bilderreisen, aber auch Visionen. Ebenfalls wird das Enneagramm einen großen Stellenwert einnehmen, weil jeder Mensch unterschiedliche Bilder und Archetypen in sich trägt. Das Enneagramm verbinde ich in der Ausbildung mit der Imaginationsarbeit. Es ist meine große Vision für 2016 – mein Ausbildungsangebot in die Welt zu tagen und Menschen, die einen Ruf verspüren, dazu einzuladen. Ich würde mich freuen, wenn sich eine kleine Gruppe von 6 – 8 Personen zusammenfindet, um erst einmal in Selbsterfahrungseinheiten mit ihren eigenen Bildern zu arbeiten, bevor wir gemeinsam das Ziel verfolgen, andere Menschen darin zu begleiten, mit Hilfe ihrer inneren Bilder Heilung und Wachstum zu erfahren.

Klingt sehr spannend. Was macht Dir an Deiner Arbeit besondere Freude?

Besondere Freude macht mir das Gebären von Emotionen. Ich sehe mich tatsächlich als Emotionshebamme. Wenn ich das Gefühl habe, es möchte ein Gefühl, eine Emotion bei meinem Gegenüber ausgedrückt werden und die Person schafft es nicht, dann sehe ich mich darin, diese Emotion tatsächlich gebären zu helfen. Das kann Trauer sein, die in dem Augenblick auftaucht. Es kann auch Freude sein. Wenn es meine Beobachtung ist, dass Emotionen nicht so leicht an die Oberfläche kommen dürfen oder nicht zu gelassen werden, dann biete ich meine Unterstützung zur Geburt der Emotionen an. Ich verstehe es ein Stück weit so, Hilfe zur Selbsthilfe durch mein Dasein anzubieten, damit Emotionen durchfühlt werden dürfen.

Emotionshebamme gefällt mir gut. Das ist ein schöner Begriff. Das passt gut zum Enneagramm. Du bist darin Expertin. Ich kenne das Enneagramm. Aber magst Du unseren Lesern das Enneagramm noch etwas näher erklären?

Das Enneagramm ist eine uralte Lehre und ist Jahrtausende Jahre alt. Genau weiß man das nicht. Ennea kommt aus dem griechischen „Neun“ und „Gramm“ für Figur oder das Geschriebene. Es bezieht sich auf Neun Persönlichkeitstypen, auf sogenannte Archetypen. Die Typen haben verschiedene Stärken und Schwächen, die sie mitbringen. Es ist überaus hilfreich zu wissen wer welcher Typ ist – insbesondere in der Begleitung mit Menschen. So kann man ihnen eine entsprechende Hilfe mitgeben. Während zum Beispiel Typ Acht sehr konfliktfähig ist und eher etwas Beruhigendes braucht, um „weniger“ Konflikte zu entfachen, braucht Typ Neun eher eine Aufforderung dazu, mehr Konfliktpotential zu entwickeln. Alle Typen brauchen etwas sehr Unterschiedliches, um ihr Potential zu entwickeln. Denn darum geht es letzten Endes – um Persönlichkeitsentwicklung – darum, sein größtmöglichstes Potential leben zu können. Darin ist jeder Typ komplett unterschiedlich. Es gibt Bauch- und Instinktypen, die ihre Umwelt aus dieser Ebene heraus wahrnehmen. Es gibt die Herztypen, die von ihren Gefühlen heraus motiviert werden. Und dann gibt es die Mentaltypen/ die Kopftypen, die Dinge erst einmal mit dem Kopf erfassen. Aber natürlich ist jeder alles. Es ist kein Schubladen-Modell, um jemanden zu degradieren oder einzukategorisieren. Sondern es ist ein Verständnismodell. Erst einmal sich selbst verstehen zu lernen und auch Mitgefühl mit sich selbst zu haben. Aus seiner eigenen Struktur heraus und auch aus seiner eigenen Not heraus. Daraus entsteht wiederum Verständnis für andere. Mitgefühl für andere zu entwickeln, weil jemand anfängt zu verstehen, welche Not die anderen damit haben, wenn sie zum Beispiel unter Anspannung stehen. Darum geht es beim Wissen des Enneagramms.

Was ist die Wertimagination?

Wertimagination setzt sich aus den Wörtern Wert und Imagination zusammen und fordert dazu auf, sich auf bestimmte Werte, Bilder und Visionen auszurichten. Das ist eine geführte Bilderreise oder Meditation. Es geht darum, sich bewußt auf einen Wert auszurichten, so zum Beispiel auf den Mut, eine Konfliktstärke, das Urvertrauen oder den liebenden Teil in uns. Diesen Wert nicht nur vom Kopf her als Konzept zu verstehen, sondern auch gefühlt wahrzunehmen. Es geht um ein Wertfühlen, was durch eine Entspannung auf einer Gefühlsbene möglich wird. Die Person wandert vom Kopf eher auf die Herz-  oder Bauchebene, auf der Wertfühlen beginnt. Es entstehen innere Bilder und Symbole zu den Werten vor dem geistigen Auge, die im Anschluß an die Imagination interpretiert werden können. Gemeinsam bringe ich mit meinem Klienten das Gesehene und Gefühlte in einen Gesamtzusammenhang. Das hat sehr viel mit Visionen und individuellen Bildern zu tun. Bilder sind die Muttersprache der Seele. Jeder hat sie. Sie kommen mehr aus der rechten Gehirnhälfte und der Klient erlebt die Bilder in der Imagination als sicht- und fühlbar.

Du hast als Gefühl auch das Urvertrauen angesprochen. Mein Business mit meiner Vision ist die kraftvolle Weiblichkeit. Das Urvertrauen ist ein weiblicher Aspekt. Du arbeitest auch mit hochsensiblen Menschen. Ich bin der Meinung, dass jede Frau hochsensibel ist, wenn sie in ihrer Kraft und in ihrem Potential lebt. Was unterscheidet die weibliche Urkraft von deinem Angebot oder gibt es da Parallelen?

Ich würde sagen, Intuition bzw. intuitive Fähigkeiten hat jeder Mensch. Männer wie Frauen. Frauen haben tendentiell einen stärkeren Zugang zu der intuitiven Seite. Was ich auch in der Ausbildung mit anbieten möchte, ist eine Intuitionsschulung, weil wir stark von bestimmten Konzepten geprägt sind, dass wir sie nicht hinterfragen und sie die Intuition – unser wahres Wesen – überlagern. Wenn wir die uns beigebrachten Konzepte hinterfragen und uns Fragen stellen, was wir wirklich wollen, dann erhalten wir Antworten der Intuition dafür. Das ist eine weibliche Seite, zu der auch Männer einen Zugang entwickeln können.

Hochsensibilität für sich ist noch etwas Anderes. Hochsensible Menschen bilden ca. 10% der Weltbevölkerung und haben sehr feine Nervenstränge, die eine sensible Wahrnehmung betrifft. Manche von ihnen sind hellfühlig, hellhörig oder hellsichtig. Ein, zwei oder mehr Sinne sind stärker bei ihnen ausgeprägt und sie sind oftmals auch hochbegabt. Ihre Sinnesfilter nehmen die Eindrücke aus ihrer Umgebung teilweise gleichzeitig wahr. Die vielen Außenreize überfordern viele Hochsensible, weshalb sie in großen Menschenmengen Angstzustände bekommen können oder massiv damit zu kämpfen haben. Laute und dauerhafte Geräuschkulissen sind für sie oft unterträglich. Hochsensible Menschen sind oftmals sehr idealistisch, weshalb sie sich nur in Arbeitsverhältnissen wohl fühlen, in denen ethische Grundsätze vertreten werden und in denen das Arbeitsklima druckfrei und wertschätzend ist. Fehlen die günstigen Arbeitsbedingungen, können sie dauerhaft krank werden und sich im schlimmsten Fall komplett in den Rückzug bewegen. Manchen hochsensiblen und hochsensitiven Menschen sieht man ihre Feinfühligkeit auch in ihrer feinen Statur oder ihren feinen Gesichtszügen an.
Welche drei Adjektive beschreiben Dich am Ehesten?

Empathisch
Humorvoll
Herzlich

Was sind Deine Drei Stärken?

Empathie – das kommt in meiner Arbeit am meisten zum Tragen.
Konfrontation – Den Finger auch mal in die Wunde zu legen (ist immer von der Situation abhängig)
Klarheit, Fokus, zielgerichtet und lösungsorientiert

Was war die verrückteste Entscheidung in Deinem Leben?

Die verrückteste Entscheidung war 2009 vor meiner Selbstständigkeit. Ich habe mein festes Angestelltenverhältnis als Führungskraft aufgegeben bzw. ins Blaue hinein gekündigt. Es war keine leichte Entscheidung.

Bevor wir zu den letzten beiden Fragen kommen. Mich würde noch interessieren, hast Du eine große Lebensvision?

Ja, die habe ich. Diese Vision ist im Zuge vom Human Rising von Veit Lindau in Berlin aufgetaucht. Es ging um eine Vision 2020, die ich empfangen habe. Es ging um mich als Lichtblick und Impulsgeberin. Ich bin ein Lichtblick für Menschen, die „mühselig und beladen“ sind, wie es in der Bibel heißt. Die mich aufsuchen, weil sie wenig Licht haben oder dunkel sind. Ich überreiche ihnen ein Stückchen Licht, damit sie das Licht weiter in sich entwickeln können, um weiterzuwachsen.
Ich war völlig überwältigt und dachte zuerst: „Oh Gott, das ist so groß, wie soll ich dahin kommen?“ Jetzt habe ich jedoch das Gefühl, ich wachse immer mehr hinein in diese Vision und verbinde mich immer mehr mit anderen „Lichtblicken“, um gemeinsam zu wirken.

Ich hoffe, dass wir mit diesem Interview den Impuls geben konnten, mal über die eigene Lebensvision oder Jahresvision nachzudenken. Um zu wissen, dass man den eigenen Weg geht und nicht den für andere. Das finde ich ganz wichtig. An der Stelle bist Du uns ein gutes Beispiel. Du bist ein guter Impuls!
Zum Abschluss noch die Frage; möchtest Du den Lesern noch etwas mit auf den Weg geben?

Profilbild

Ja, das betrifft das, was Du gerade angesprochen hast. Den eigenen Weg zu gehen! Vertraue deiner eigenen Führung und Intuition. Manchmal ist diese Stimme so leise in uns. Aber genau um diese leise Stimme geht es. Kopfstimmen und Egostimmen sind laut und aufdringlich. Die Stimme der Intuition oder inneren Führung ist vielleicht leiser, aber dafür bleibt sie. Sie ist immer da und erinnert uns daran, was unser Ruf sein kann. Den Mut zu haben, diesem Ruf zu folgen, das wünsche ich jedem.

Liebe Lidia, danke das Du heute da warst. Und ich wünsche Dir und den Lesern ein starkes Leuchtfeuer in seiner Vision. Gestatte Dir zu träumen!

Gern hätte ich Dir das Video hier live eingestellt.  Aus technischen Gründen ist das leider nicht möglich. Aber ich bin dran!

 

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4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Liebe Gwynnefer,
    ähnlich wie bei Deinen ersten Themen war es mir auch heute wieder so ergangen gewesen, dass ich beim Lesen Deiner und Lidias Worte ganz in den Fluss des Seins, eine “bedingungslose Annahme” meiner Selbst und der vielen Dinge ringsherum gekommen gewesen war. Das Thema Visionen war für mich in den letzten Jahren schon öfters von großer Bedeutung gewesen. Meine größte Herausforderung dabei war der Augenblick des Umschwungs der Träumerei-Spinnerei-Vision zum konkreten Plan-Mit-Ganzem-Herzen-Tun-Wollens gewesen. Insbesondere das Gefühl – des Müssens – jetzt muss ich etwas TUN, um meine Vision zu verwirklichen, war ein Problem geworden gewesen. Denn damit hatte ich mir ja gleich selber ein Bein gestellt gehabt. Alles im Gefühl des Müssens Getane hatte doppelt und mehr Energie & Lebensfreude benötigt gehabt als das was aus dem Gefühl des Seins und Annehmens im Moment heraus entstanden gewesen war. In diesem Sinn hatte es mir geholfen gehabt, mich in dem weiblichen Weg hinzugeben.

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    • Lieber Robert,

      oh ja, wie gut ich Dich verstehe. Es geht für mich letztlich darum, auf die Vision fokussiert zu sein, seine Handlungen auf empfangsbereit zu stellen und sie dann aus dem Fluss heraus umzusetzen.

      Unser Kopf will zu sehr und das laugt aus. Du hast alles getan und tausend Schlachten gekämpft. DAS ist ein Signal. Sag JA zum Leben und vertraue ihm. Bleib stehen. Komm zur Ruhe. Lass Dich gehörig führen. Vertraue den Impulsen Deines Herzens. Gib Dich der „göttlichen“ Führung ganz und gar hin. Lass das Leben (D) eine Lösung für Dich finden.

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    • Lieber Robert,

      das ist eine schöne Beschreibung einer Entwicklung und auch Männer sind dazu eingeladen, sich mehr und mehr mit dem weiblichen Weg in sich zu versöhnen. Es geht um den Einklang von Anima (Weiblichkeit) und Animus (Männlichkeit) in uns, um eine Balance zu leben, die im Vertrauen neues Leben kreiert.

      Wenn wir uns an der Natur orientieren, ist es so, wie du es beschreibst. Dann geht es um das Sein. Natürlich sind wir handlungsfähig, doch für die Impulse brauchen wir Vertrauen, weibliche Empfänglichkeit und das Warten auf den richtigen Augenblick, um tätig zu werden. Alles braucht seine Zeit. Doch wenn die Vision da ist, ist auch die Erfüllung dieser bereits da.

      Ich wünsche dir eine gute Ausgewogenheit zwischen Geduld, Vertrauen und des Sich-Entwickelns hin zur Tat aus einem inneren Impuls heraus.

      Herzliche Grüße von
      Lidia Schladt

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  • Was fur ein schönes Interview.

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