Lebensmitte

Ein Neuanfang liegt im Neumond. Es fühlt sich für mich wie ein Zeiten wechsel an. Die Zukunft ist noch nicht erfassbar. Ein Neuanfang liegt auch in meinem Leben bereit. Mir machen Neuanfänge ein bisschen Angst, weil ich doch nichts unter Kontrolle habe.

Ist die Lebensmitte für dich die Zeit der Wunder? Kannst du Veränderungen zulassen?  Begegnest du deinem Leben neu?

Ich sitze beim Italiener und wir feiern den Abi Abschluss meiner Tochter. Ich bin gleichzeitig glücklich, traurig und irritiert. Glücklich macht mich die Persönlichkeit meiner Tochter. Sie ist bodenständig und hat gleichzeitig ihre Träume.
Mein Loslassen von ihr, macht mich traurig. Nun ist mein Nesthäkchen auch soweit, das Nest zu verlassen. Fast dreißig Jahre hat mich die Rolle als Mutter ausgefüllt. „Wer bist du noch ohne diese Rolle? Und „Was macht dein Leben zukünftig aus?“

Mir hat es so viel Freude bereitet Mutter zu sein. Meine Vision von selbstverantwortlichen und kraftvollen Töchtern hat sich erfüllt. Sie haben meinem Leben einen Sinn gegeben. Ein warmes Nest bauen, das konnte ich wirklich gut. Darauf bin ich stolz.

In den ersten zwölf Jahren meiner Mutterschaft ging es ganz schön drunter und drüber. Mit meiner Selbstständigkeit, einer vermasselten Ehe und einigen Beziehungsversuchen, rannte ich der Vorstellung „Ich bekomme Selbstverwirklichung und Kind unter einen Hut“ hinterher. Heute bin ich nicht stolz auf diese Zeit. Möge mir meine Tochter verzeihen.
Beim zweiten Kind entschied ich, einiges anders zu machen.  Ich wollte fortan, nur für meine Töchter da sein. Das war die kommenden Jahre meine oberste Priorität. Ich war Alleinerziehende. Mein Leben bestand darin, Geld zu verdienen, damit ich mit den Kids überlebe. Etwas großes und Lobenswertes brachte ich nicht zustande. Das dachte ich damals tatsächlich.

Meine Töchter waren mir der Wind unter meinen Flügeln. Jetzt bläst nur noch ein laues Lüftchen. Welcher neue Wind, wird dich nun in neue Höhen tragen? Der Neuanfang im Neumond fordert mir Hingabe an das Leben ab. Hingabe bedeutet, mir mein Leben nicht zurecht zu denken, sondern zu fühlen. Hingabe bedeutet, nicht gegen das Leben zu kämpfen, sondern mich meinen Empfindungen und der Stille zu öffnen. Hingabe bedeutet, den Postboten mit seinen Geschenken nicht weg zu schicken, sondern die Geschenke zu empfangen und anzunehmen.

Der Abschied von meiner Mutterrolle fühlt sich ein wenig wie sterben an. Ich habe das Gefühl, das mir irgendjemand voll das Leben, aus meinem Leben raus zieht. So vieles alltägliche werden wir nicht mehr gemeinsam machen.  Sie haben ihr Leben und ich meines. So wenig wie meine jüngst weiß, was die Zukunft bringen wird, weiß ich es von meinem Leben. Was werden deine Lebensinhalte sein und ausmachen? Tja gut, Haus und Hof sind groß genug, um mich zu beschäftigen. Wird das deinen dominanten Bedürfnissen genügen? Was willst du jetzt mit deiner Zeit und deinem Leben beeinflussen und bewirken?

Das Leben ist im stetigen Fluss. Verabschiede dich von altem, um Platz für Neues zu machen. Nichts gehört dir auf dieser Welt. Alles ist nur für eine Weile geliehen. Auch wenn das Loslassen und das Abschied nehmen schmerzt.

Das einzige wovor ich in den ersten Jahren richtig Schiss habe, dass ich mich gesundheitlich nicht um meine Töchter kümmern kann. „Nur, wenn es mir gut geht, geht es auch meinen Kids gut“ wird zu meinem gebetsmühlenartigen Mantra.
In den nächsten zehn Jahren gehe ich keine enge Bindung zu einem Mann ein. Das hätte möglicherweise bedeutet, das Grenzen überschritten werden. Das von mir Anteilnahme, Unterstützung, Hilfe, Energie und Zeit erwartet und verlangt worden wäre. All das, gab ich zu allererst meinen Töchtern. Ich gehe keine faulen Kompromisse mehr ein, unter den die Mädchen zu leiden hätten. Alle Aufmerksamkeit galt ausschließlich ihnen.
Meine Freundinnen teilen manchen Abend und Interessen mit mir. Gemeinsam Urlaub haben wir auch gemacht. Nährende Frauenfreundschaften sind etwas wundervolles und jede Frau sollte sie in ihrem Leben haben. Es gibt nichts Schöneres, als wache und lebendige Schwestern, mit denen du entspannt und friedfertig deinen Weg teilen kannst. Aus unserer geschichtlichen Entwicklung sind Frauen nicht für Einzelkämpferinnen gemacht.

Meine erprobte Rolle als Mutter und bestimmte Handlungsmuster geben mir Sicherheit. Meine festen Prinzipien und Werte (es kommt erst ein Mann ins Haus, wenn ich mir ganz sicher bin) schiffen mich gut durch diese Zeit.  Das Leben mit meinen Töchtern allein, hat mir zwar einiges abverlangt. Aber jetzt, wo die jüngste das Haus auch verlässt, spüre ich, wie wertvoll unsere gemeinsame Zeit tatsächlich ist. Du verwirklichst dich selber, ohne darüber nachgedacht zu haben. Deine Kinder schenken dir Lebensglück, Kraft und reichhaltige Erfahrungen.

Jede Mutter wird durch ihr dominantes Verhalten geprägt.  Du bist für andere da, du wirkst ununterbrochen, du beeinflusst deine Kinder nach deinen Werten. Du willst das beste von dir weitergeben und hinterlassen.
Irgendwie ist es auch ein wunderbarer Gedanke „Ich kann das Leben jetzt noch mal komplett drehen.“ So viele Sinnfragen bewegen mein Inneres. „Was will ich in Zukunft beeinflussen und welche Wirkung will ich hinterlassen?“

Genieße alle Facetten deines Umbruchs, Aufbruchs, der Abschiede, Vollendungen und Neuanfänge. Irgendwie geschieht jeden Tag alles gleichzeitig. In dir sind zwei Kräfte am Wirken. Du willst weg von dem Schmerz, der das Loslassen und der Abschied auslöst. Du willst hin zu deiner Freude, deiner Neugier und deiner Vision. Aber wenn der Zustand, in dem du nichts willst, fehlt, erschöpft es dein Gehirn und deine Kraft lässt nach. In Momenten in denen du innehältst, entspannst du dich. Die Natur, der Wald, die Spaziergänge mit Luna, meine Frauenabende helfen mir, in mir zu ruhen. Von diesen stillen Punkten aus, möchte ich den Weg für mich finden.

Indem ich gerade über meine Vergangenheit reflektiere, wird mir ganz ehrfürchtig zu mute. Ich nehme meinen Reichtum wahr. Es ist so, als ob ich mich mit meiner Vergangenheit versöhne. Ich möchte in Würde und Dankbarkeit diese bedeutungsvolle Zeit mit meinen Töchtern vollenden. Das ist mir wichtig! Ich freue mich schon sehr, dass dieser Abschied eines Lebenszyklus noch einen würdigen Rahmen in mir finden darf. Ich habe Respekt zu fühlen, was es mit mir machen wird.

Schenke dir deine volle Liebe, deinen Respekt und die volle Annahme dessen, was das für ein Mysterium ist. Ich lade dich ein, dich total offen zu halten, überhaupt nichts zu wissen, was passieren wird. Sage dir „Ich bin bereit, zu tragen was danach kommt.“ Lass dich überraschen, erforsche dich ganz neu. Du wirst eine Menge mehr Raum für dich haben. Habe den vollen Fokus und Aufmerksamkeit auf dein Leben. Sei bereit!

 

Dienen ist die intelligenteste Form von Dominanz
sanftMUT

Ähnliche Beiträge

Es wurden keine Ergebnisse gefunden, die deinen Suchkriterien entsprechen.

3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Deine Mutterschaft endet doch nicht. Auch wenn die Küken flügge werden.

    Sie sind immer Thema in unseren Gedanken und in unserem Herzen. Wir machen uns weiterhin mehr oder weniger viele Sorgen um sie. Und wir begleiten sie gerne, stehen mit Rat und Tat zur Seite, wenn sie das auch wollen.

    Also, Mutterschaft ist lebenslänglich.

    Antworten
  • Liebe Gwynnefer,

    wundervoll geschrieben und ich habe mich so sehr wiedererkannt. Meine Tochter ist letzten Sommer ausgezogen, aber wirkich losgelassen habe ich noch nicht. Ein Teil von mir wird immer Mama sein, diese Rolle endet nicht, nur der Inhalt wird anders. Und ich hatte das Glück von der Mama-Rolle gleich in die Oma Rolle schlüpfen zu dürfen. Und so sehr ich es von ganzem Herzen geliebt habe Mama zu sein, Oma zu sein ist nochmal eine ganz andere Dimension 🙂
    Ich freue mich über die neuen Wege, die ich nun gehen kann und werde und deine Worte haben mich sehr berührt.

    Liebe Grüße

    Dee

    Antworten
  • Liebe Gwynnefer, liebe Schwester
    Ich kenne diesen Weg so gut. Ich kenne diese Schmerzen. Ich kenne diese Freude. Ich kenne diese unendliche Liebe. Wir sind schön und wild. Jetzt kommt der Zeit der sanfte-wilde-liebende-hingegebene-weise-Königin.
    Mögen wir es zusammen gehen. In tiefe Liebe und Verbundenheit.
    Nadine-Emmanuelle

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü