sanftMUT

Meine Freundin Antje lädt mich zu einem Vortrag 2011 von Veit Lindau ein. Ich kenne weder das Thema, noch den Typen. Meine Freundin erzählte mir, dass sie vor zwanzig Jahren einmal die Nachbarin von Veit Lindau war. Sie ist neugierig und möchte wissen wie er sich entwickelt hat, was aus ihm geworden ist. Es interessiert sie, womit er, so sein Geld verdient. Ich habe schon lange nichts mehr gemeinsam mit meiner Freundin unternommen. Ich mag sie sehr und möchte gern etwas mit ihr veranstalten. Ich sage zu. Der Vortrag heißt sanftMUT. Das Wort fesselt mich und erweckt meine Neugier. Spricht dich das Wort an? Was verbindest du damit?  Es spricht meine sanfte, liebevolle und mitfühlende Seite in mir an. Genauso stark schwingt der Mut mit, zu meinen weichen und sensiblen Anteilen zu stehen und diese mutig zu vertreten. Ich finde es eine schöne Wortkreation. Ich kaufe online eine Eintrittskarte. Ich bin von der Marketingstrategie begeistert. Jeder der eine Person bewirbt, erhält Rabat und ich als Käufer auch. „Wie geht das?“ frage ich mich. Der Vortrag findet im Hotel Bellevue statt. Das Hotel hat eine einzigartige und zentrale Lage in Dresden. Die Semperoper und die Frauenkirche sind nur einige Gehminuten entfernt.
Ich werde am Einlass persönlich von Andrea Lindau begrüßt. Ich mag sie auf Anhieb und finde sie symphytisch. Wir führen ein kurzes lockeres Gespräch, ehe ich in den Vortragsraum eintrete. Der Raum ist hell, freundlich und stilvoll eingerichtet. Es stehen Stuhlreihen für etwa siebzig Personen bereit. Die Stühle sind nobel und mit rotem Stoff bezogen. Die Stuckarbeiten am Deckenrand sind wunderschön. Ich denke „Wer in solchen edlen Räumen einen Vortrag halten kann, muss erfolgreich sein.“ Eigentlich ist es verrückt das zu denken. Was weiß ich denn schon über den Bühnenkünstler? Es kann doch auch alles, mehr Schein als Sein, sein?

Ich fühle, dass mich ein außergewöhnlicher Vortrag erwartet.  Es sind etwa fünfzig Frauen zum Vortrag erschienen. Ich habe mich hübsch gemacht und mein gelbes Kleid, mit gelben Schal angezogen. Ich fühle mich selbstbewusst und attraktiv. Es gibt selten eine Gelegenheit mich hübsch zu machen. Wann hast du dich das letzte Mal hübsch gemacht und selber ausgeführt? Für mich ist heute ist so ein Abend. Ich sitze erwartungsvoll und gespannt im Hotel Bellevue. Es geht los.
Nach der Begrüßung und Vorstellung von Veit Lindau, geht es zum Thema über. Ich höre viel über die Funktion des Gehirnes. Einiges verstehe ich, anderes nicht. Ich bin die ganze Zeit gespannt, wie ein Flitze bogen. Ich warte bis es losgeht. Da weile ist Veit schon mittendrin. Das erste Mal in meinem Leben, höre und erfahre ich etwas über die Funktion des Limbischen Systems. Es gibt unglaublich viel Input zu verdauen.  An der Stelle frage ich mich, ob ich nicht besser zu Hause geblieben wäre. Was soll ich schon mit dem limbischen System in meinem Leben anfangen?

So richtig „knallt“ der Vortrag bei mir nicht rein. Jetzt geht Veit zu den drei essentiellen Bedürfnissen Sicherheit, Abenteuer und Dominanz über. Langsam rüttelt mich der Vortrag auf. Kennst du deine Bedürfnisse? Welche hast du dir schon lange nicht mehr erfüllt, oder sogar noch nie? All die unbewussten Gefühle von Neid, Bedeutungslosigkeit, Missachtung, Verleugnung, Wut, Angst, Hass entstehen für mich aus dem Leid, die eigenen Bedürfnisse nicht zu erkennen und nicht erfüllen zu können. Ich höre Veit sagen „Dominanz“. Ich bin hellwach. Sofort wertet etwas in mir, das Wort Dominanz, negativ ab. Dominanz kommt von dem Wort dominieren.  Im Duden steht, es ist die Fähigkeit, andere zur Unterordnung zu zwingen. Es bedeutet zu beherrschen. Dominus ist der Herr. Heißt das Wort für mich als Frau wirklich dominant? Für mich schwingt da viel Männliches mit. Oder, gibt es für dich als Frau einen anderen Begriff? In mir rebelliert etwas dagegen, weil es eben nicht meiner weiblichen Seelenqualität entspricht. Heißt es für mich weibliche Dominanz? Es kann doch für mich als Frau, nicht Herr heißen. Das ist so ähnlich wie in der Kirche. Die Kirche hat das Wort geprägt. Wenn ich dieses Wort benutze, gehe ich in die männliche Schiene. Herr, schenke uns dies. Herr, tu das. Herr, Herr, Herr…Und ich merke, nix da Herr. Schluss mit Herr. Da ist keine Herrlichkeit, sondern Fraulichkeit oder Menschlichkeit oder Göttlichkeit. Aber nicht Dominanz. Dominanz ist schlecht, wie kann mein limbisches System so etwas Schlechtes für mich wollen? Meine Motivation kommt nicht aus dem männlichen. Sind es nicht die männlichen Prinzipien, die uns an den Scheideweg, auf unserem Planeten gebracht haben? Wir Frauen haben einen langen Weg in der Geschichte mit dem Thema Macht und Dominanz gekämpft.

„Du kannst zu dem Wort Dominanz auch sagen, Wirkung hinterlassen oder Einfluss nehmen.“

Dieser Satz haut voll bei mir rein. Ich höre das erste Mal eine Umdeutung des Wortes Dominanz. Ich sitze auf meinem Stuhl, im gelben Kleid und ein Schalter in meinem Gehirn legt sich um. Ich habe genug gekämpft in meinem Leben. Ich habe viele mutige Entscheidungen getroffen, nur leider oftmals nicht sanft.  Ich sehe mein Leben, in verschiedenen Bildern, vor meinem inneren Auge ablaufen. Vieles begegnete mir. Schmerzhafte Abhängigkeiten, ängstliche Selbstverleugnung, missverstandene Liebe, existentielle Entscheidungen, Einsamkeit und Mutterschaft. Und immer ging es um die Frage, wie ein weibliches Leben in Liebe gelingen könnte. Ich bewirke etwas und nehme Einfluss, das sind Begriffe, die kann ich richtig gut für mich nehmen.

Mir fällt ein Stein vom Herzen. Ich bin nicht schlecht oder falsch, weil ich meiner Intuition folge. Folgst du stets deinem inneren Stern der Liebe und trittst mutig den Erwartungen deiner Umwelt entgegen? Ich war so lange im Unfrieden mit mir. Mit der unmoralischen Bedeutung von dem Wort Dominanz, finde ich meinen Seelenfrieden nicht. Ich verurteilte und beurteilte mich und meine Lebensentscheidungen. Unsere Gesellschaft ist stark männlich ausgerichtet. Ich vergleiche mich viel zu oft damit. Es entspricht jedoch nicht meinem Wesen. Wenn ich das Wissen schon eher gewusst hätte, dann…
Alles hat einen gemeinsamen Nenner. Ich will meine Wirkung hinterlassen und etwas in diesem Leben, auf diesem Planeten bewegen. Bist du reich an Ideen, Energie und Schwung, vereint mit Abenteuerlust und der Bereitschaft, etwas zu bewegen?

Der Vortrag überrascht mich total. Ein neuer Samen wird in meinem Leben gelegt. Diese Erkenntnis stellt einen Höhepunkt dar.  Für mich beginnt damit die Zeit, mit dem anderen abzuwägen. Was gibt es anderes? Wie sieht das im weiblichen aus? Ich stelle diese beiden verschiedenen Definitionen gegenüber. Wie kann der Weg von dem einen zum anderen sein? Ich fühle als Frau manche Dinge anders und würde sie auch in andere Worte packen. Ich schöpfe als Frau aus vielen verschiedenen Möglichkeiten heraus. Ich besitze meine eigenen weiblichen Qualitäten und Werte. Es geht darum sie zu benenne und auch Namen zu finden.  Die weibliche Führungskraft ist wärmend, umhüllend, nährend, weich, empfangend, gebend, gebärend. Es ist die Führung aus dem Herzen mit emotionaler Intelligenz und Intuition. Frauen sind achtsam, feinfühlig, einfühlsam, mitfühlend (nicht mitleidend), hellsinnig, verwurzelt und gut geerdet. Das tun Frauen in Leichtigkeit, Freude, Anmut, Demut, Hingabe, Dienen, Hoffnung und Optimismus. Frauen öffnen sich im Vertrauen, behüten, bewahren, teilen, sind göttliche Liebe und Fürsorge, Heilung und Gnade, Weisheit und Frieden.

Dominanz ist ein negativ aufgeladenes Wort und oft ein missverstandener Begriff. Ein Wort ist eben nicht nur ein Wort. Ein Wort erschafft deine Realitäten und dein Leben. Wie achtsam gehst du mit deinen Worten um? Gedanken werden Dinge. Sicher hast du diesen Satz schon einmal gehört, oder? Wie sind deine Gedanken jetzt gerade?  Jahrelang hatte ich die Angst in mir getragen, meine wahre Macht anzunehmen, aus Furcht, andere Menschen könnten mich für egoistisch halten. Nun aber erkannte ich, dass es einen Unterschied gibt zwischen natürlicher und künstlicher Dominanz. Das es immer um ein abwägen geht. Wo geht es genau, um das wirken? Wo passiert ganz genau das fühlen, statt herrschen? Sätze wie: „Wenn Mütter stark sind, können sie auch für ihre Kinder stark sein.“, „Wenn ich meine Bedürfnisse lebe, ziehe ich andere Menschen mit“ oder „Liebe ist die dynamische Qualität des Seins. Liebe verwandelt alles.“ begleiten mich dabei.

Die weibliche Herangehensweise ist loslassen und empfangen. Und nicht gleich Lösungen zu suchen, nicht gleich eine Strategie zu haben, nicht zu beherrschen und zu kontrollieren. Bei Frauen ist es genau anders herum. Frauen vertrauen, geben Raum und erschaffen Felder. Natürliche Dominanz hat eine sanfte, hingebungsvolle, weiche Qualität. Jede einzelne Frau trägt unglaublich kostbare Gaben in sich. Ich erlebe es an mir und anderen Frauen immer wieder, wie sehr Frauen an sich zweifeln und Dinge sein lassen und nicht leben. Frauen haben Angst sich zu blamieren, das etwas nicht gut genug läuft oder man selber nicht gut genug ist. Mir ist es ein Anliegen zu sagen „Frau, lebe dich mit all deinen Fassetten. Halte nichts zurück. Lebe es, versuche es.“

Was soll dir schon passieren? Die Menschen werden so oder so reagieren. Wir leben in einer dualen Welt. Du wirst nicht nur Freunde haben. Das ist so. „Hab keine Angst.“ Wenn du deine Kraft als Frau wirklich lebst, dann fügt sich auch alles. Wir Frauen haben eine Kraft und Art, Dinge in die Welt zu bringen. Ganz anders als Männer. Wir haben den weiblichen weg. Das trägt jede Frau in sich. „Frau zeig dich!“, „Steh auf!“ und „Erobere die Welt!“

Ich gehe in meinem gelben Kleid nach dem Vortrag nach Hause und lasse alles in mir wirken. Getreu dem weiblichen Prinzip, gebe ich dem gehörten und meiner Erkenntnis, Raum und Zeit. Zwei Jahre später absolviere ich eine lebensentscheidende Ausbildung bei Veit Lindau. Ich gehe viel tiefer, in das Wissen, um die menschlichen Bedürfnisse. Ich entdecke bewusst, meine weibliche Kraft und was sie alles beinhaltet.  Es gibt es einen unglaublichen Reichtum und spielerische Fülle. Ich öffne dir diese Tür. Ich reiche dir meine Hand, deine eigene, natürliche Stärke zu finden, in eine neue Weiblichkeit hinein, die nicht unterdrückt, sondern frei lässt.

Woran merkst du, dass du im Einklang mit deinem Daseinszweck handelst?
Es fällt dir leicht, es macht Freude, es kostet keine Überwindung. Es prickelt!
In weiblicher Verbundenheit Gwynnefer Sylvia


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Weitere Beiträge findest du hier:
17.) Respektvolle Kommunikation
18.) Dienen ist die intelligenteste Form von Dominanz
19.) Nähe/Verbundenheit und Distanz
2
0.) Leben gebären
21.) sanftMUT

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Lebensmitte
Männerhass

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3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Elke Brands
    23. Juni 2016 12:44

    Schöner lässt es sich nicht beschreiben!!! Du hast es Wundervoll ausgedrückt !!! Danke für den Text

    Antworten
  • Danke dir für den wunderschönen Text,der mich sehr anspricht.
    Auf deine Fragen werde ich noch eingehender antworten,dazu fehlt mir gerade die Zeit .

    Danke von Herzen für dein WEIBLICHES WIRKEN
    Herzensumarmung Pia Maria

    Antworten
  • Deine gedankliche Wanderung, die Eindrücke rund um den Vortrag und die Imagination des gelben Kleides haben mich voll mitgenommen. Du hast uns den Tag deiner „Wandlung“ als Kopfkino aufleben lassen, als wären wir selbst durch den Vortrag in eine andere gedankliche Perspektive eingetaucht. Danke für diesen inspirierenden Text.

    Antworten

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