Weiblicher Erfolg

Was ist weiblicher Erfolg?

Ich beobachte, das sich immer mehr Frauen mit ihren Businessvisionen zeigen und sichtbar werden. Prinzipiell gefällt mir das sehr gut, wenn Frauen am Zeiger des Geschehens drehen und mitgestalten.
Ich bringe, ehrlich gesagt, weiblich und Erfolg ziemlich schwierig in Einklang. Mein Herz fängt an, rasend zu werden, wenn man mir sagt “Das klingt nach einem Glaubenssatz, das Weiblich und Erfolg nicht in Einklang zu bringen sind.“

Männliches Prinzip

Unsere Welt wurde durch das männliche Erfolgsprinzip, zu dem was sie jetzt ist. Kampf, Macht, Sieg, Einfluss, Prestige, Karriere, Fleiß, Ehrgeiz, Leistung, Stolz und Hartnäckigkeit; klingt das für dich weiblich?

Ich schreibe seit acht Monaten, jede Woche einen Schreibimpuls für meine Lesergemeinschaft. Ich fertigte mein Exposé für einen Verlag an. Ich bin bisher fleißig, ehrgeizig und kämpfe für meinen Erfolg. Ich bemühe mich interessante Beiträge zu liefern. Am Ende möchte ich die Siegertrophäe in Form meines Buches davontragen. Meine Gedanken sind okkupiert von dem modern gewordenen Schlagwort „weiblicher Erfolg“.
Wie weit ich jedoch davon entfernt bin, wird mir in einem Gespräch klar. Eine Frau korrigiert meine Rechtschreibung und Grammatik, in meinem Exposé. Sie arbeitet auch als Lektorin für Verlage. Sie schenkt mir ihr ehrliches Feedback und trifft auf meine emotionale Achillesferse.
Die Achillesferse stammt als Begriff aus der griechischen Mythologie. Die rechte Ferse war, die einzige Stelle, an welcher der Sagenheld Achilles verwundbar war.

Ohnmacht

Meine Achillesferse ist die Ohnmacht. Ich strengte mich in den letzten Monaten so sehr an.  Ich gab alles von mir. „Ich komme so wie bisher nicht weiter“, machte mir das Gespräch klar. Ich fühle mich hilflos. Ich sehe keine Möglichkeit wie ich etwas verändern kann. Ich stoße an meine Grenzen. Ich halte mich an der Oberfläche auf, statt in die Tiefe zu gehen. Erfolg motiviert mich. Doch davon bin ich meilenweit entfernt. Ich legte mein ganzes Gewicht darauf, Dinge und ablieferbare Texte zu erreichen. Ich lief die ganze Zeit in den männlichen Fußabdrücken. Denn, die über einige Jahrtausende errichtete patriarchale Struktur sind nach wie vor vorhanden. „Ist das für mich der weibliche Weg zum Erfolg?“ darf ich mich jetzt hinterfragen. Anstatt mich selber, in meinen weiblichen Erfolg zu verwickeln, habe ich richtig Lust aufzugeben. Ich habe nach dem Gespräch das Gefühl meine Identität verloren zu haben. Ich übernehme sämtliche Schuld für alles. Ich forme mich selbst, um den Wünschen anderer gerecht zu werden. In mir herrscht Chaos, alles ist dunkel um mich herum und alles in mir ist hinweggefegt. Kommt dir das bekannt vor? Bin ich tatsächlich die einzige, der es so ergeht? Kämpfen, Flüchten, so tun als ob und aufgeben sind meine vier Strategien, um meine schmerzhaften Erfahrungen nicht zu fühlen. Jede dieser Strategien bietet vorübergehend eine Lösung. Jedoch auf lange Sicht sind sie ungeeignet.

Ich wünsche mir mehr Erfolg mit meinem Buch Projekt. Aber hier kommt das Dilemma. Die Art, wie ich die Dinge mache, hat mich bis genau hier hergebracht. Aber eben auch nicht weiter. Für ein völlig neues Level an Erfolg müsste ich anders denken und handeln. Wie wäre es, wenn ich diesmal nicht kämpfe, nicht flüchte, nicht so tue als ob und nicht aufgebe, sondern einfach in diesem Feuer stehen bleibe? Das erscheint mir jetzt als die einzig wahrhafte Möglichkeit. Alles andere kenne ich ja bereits.

Die Balance von männlichem und weiblichem Erfolg

Unsere Welt wurde durch die männliche Energie, zu dem was sie jetzt ist. Die Gewichtung der Energien war lange Zeit in einem Ungleichgewicht. Umso dringender, braucht sie jetzt die Balance zur Heilung.

  • Es ist an der Zeit, dass Frauen die Kontrolle loslassen und in das Nichtwissen eintauchen.
  • Es ist an der Zeit, dass Frauen ihre Aufmerksamkeit nach innen zu sich selber verlagern.
  • Es ist an der Zeit, dass Frauen sich darüber bewusst werden, wo sie immer noch in den Fußspuren der Männer laufen und patriarchalen Strukturen folgen.
  • Es ist an der Zeit, dass Frauen sich Zeit für sich selber und ihre Innenwelt nehmen.

Ich habe keine Lösung für weiblichen Erfolg anzubieten. Wir befinden uns alle in einer Zeit, die es so noch nie gegeben hat. Noch nie waren Frauen so aufgefordert, ihre weibliche Macht zu leben. Noch nie war es so notwendig, dem starken männlichen, das starke weibliche entgegenzusetzen, zum Wohle aller.

Mein Fazit:
Als Frau in männlicher Energie unterwegs zu sein,
ist unglaublich erschöpfend.

Die unerbittliche Kämpferin
Guter Reichtum

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10 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Liebe Gwynnefer, ich verstehe dich so gut! Ich glaube dieser Weg zwischen weiblich und männlich ein ausgewogenes Gleichgewicht zu finden, ist sehr schmal. Ich habe den Eindruck das man ständig achtsam sein muss, um sich nicht zu überfordern und andererseits auch mal nichts zu tun. Ich habe festgestellt unser Energielevel zeigt uns sehr genau an, was dran ist. Bin ich erschöpft (=verschöpft) habe ich zuviel getan, weil Kraftanstrengung notwendig war (männliches tun, handeln), es ist schwierig in unserer Welt nichts zu tun, weil wir überall herausgefordert werden, doch unseren Weg zu gehen, unser Potenzial auf die Strasse zu bringen… Doch wer will das? Das ist für mich die Identifizierung mit dem kleinen Ich.
    Bin ich jedoch glücklich mit dem was ich tue, erfüllt es mich, wenn etwas durch mich entsteht, ist die Energie viel ausgewogener. Überhaupt glaube ich nach meinem derzeitigen Wissen/Erfahren dass sich Schöpfung eher durch das weibliche ausdrückt. Wenn diese beiden Seiten ausgewogen sind, dann ist das Sein und das Tun ausgewogen. Der weibliche Weg ist also eher das Gut-Sein-Lassen wie es ist und im Fluss bleiben, was gerade getan werden will anstatt nach Erfolg zu streben oder etwas bestimmtes erreichen zu wollen. Ich weiß nicht ob du mitverfolgt hast was kürzlich in mein Leben getreten ist?! Es hat mich völlig unvorbereitet überrascht, beglückt, und diese Begeisterung ist ansteckend. Das ist aber etwas was ich mir niemals zum Ziel setzen oder wünschen hätte können. Danke für deine Ehrlichkeit, ich empfinde es als sehr wohltuend, wenn Menschen bereit sind, sich zu hinterfragen und den Weg zu ändern, wenn man merkt das ist es nicht. Und wenn nicht wir Frauen das tun, wer dann?! Alles Liebe….

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  • Was für ein wundervoller Text. Mit genau dieser Frage beschäftige ich mich und scheitere Tag für Tag. Ich lebe männlich, im Tun, im Dinge vorwärtsbringen… das ist an sich nichts Schlechtes und oft macht mir es Spaß. Aber ich hätte so gerne Frauen wie dich, die sich bewusst, ohne Lösungen zu präsentieren (was mal wieder männlich wäre) auf diesen Prozess einlassen….. Danke liebe Gwynnefer, für diesen offenen, wunderbaren, verletzlichen Text….

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  • Dein Text gefällt mir gut, auch wenn ich deine Meinung nicht teile, dass die von dir aufgezählten Eigenschaften als solche zu den „männlichen“ gehören. Finde es auch problematisch, als Alternative zum Weg in „männlichen Fußstapfen“ den „Weg nach Innen“ zu sehen. Meiner Meinung nach (wenn man mal von „Karrierefrauen“ absieht), haben Frauen generell eine Tendenz, sich mehr mit der Innenseite zu beschäftigen, und den Männern das „Außen“ zu überlassen. Das weltweite Resultat davon gefällt mir nicht besonders.
    Was ich dich fragen möchte: In welchem Sinne benutzt du das Wort „erschöpfend“ in deinem Fazit. Das Wort bedeutet „so, dass alle Faktoren berücksichtigt werden“, und nicht – falls es so gemeint war „anstrengend“.

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    • Ich meinte: „anstrengend“. Da fehlt ein „s“ 🙂

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    • Liebe Christine,

      es ist wundervoll, anderer Meinung zu sein und dennoch so respektvoll miteinander sein zu dürfen. Ehrlichkeit befreit uns Frauen.
      Manchmal komme ich an Punkte in meinem Leben, in denen ich glaube alle Faktoren berücksichtigt zu haben. Ich bin umnebelt und kann nicht mehr weiter sehen, als das, wo ich gerade stehe. Alle Möglichkeiten sind erschöpft, weil mein Blick nicht weiter reicht. Das meine ich mit erschöpft.
      Danke für dein nachfragen.

      Alles Liebe Gwynnefer

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  • […] Inspiriert von Gwynnefer „Kraftvolle Weiblichkeit“ auf Facebook und ihrem Artikel zu weiblichem Erfolg. […]

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  • Tina Maetschke
    2. Oktober 2016 19:29

    Liebe Gwynnefer,
    ich bin nicht die klassische Kommentarschreiberin. Du hast sehr offen über deine Erfolgs-Ohnmacht geschrieben, danke. Es geht sicher vielen von uns zu verschiedenen Zeiten im Leben so wie dir. Ich kenne diese Ohnmacht jedenfalls sehr gut.
    Meines Erachtens ist es keine Frage von Weiblichkeit oder Männlichkeit, erfolgreich zu sein. Erfolg ist immer ein Produkt meiner Handlung, meines Denkens und meiner Disziplin. Für mich stellt sich die Frage, aus welchem Grund staut sich gerade die Energie in dir, in mir? Brennst du für dein Thema oder bist du eher am Ergebnis orientiert? Kannst du deinen Aktionismus unterbrechen und Zeit für Meditation und Visualisierung finden? Worin liegt der Sinn deines Buches – wofür schreibst du es?
    Ich habe gelernt, dass mich gute Fragen auf meinem Weg weiterbringen. Fragen, die mich in Kontakt mit mir selber bringen.
    In den letzten Jahren habe ich mich intensiv mit Erfolg und Motivation beschäftigt UND ich bin absolut weiblich! Die Reise zu meiner Weiblichkeit war sehr intensiv und hat mich sehr verändert. Sie hat mich mit den Themen der Selbstliebe in tiefsten Kontakt gebracht, mit Selbstvertrauen, Versagensängsten, Existenzängsten. Die Schatten in mir meldeten sich laut, wollten gesehen und angenommen werden. Ich habe viel an ihnen gearbeitet. Je mehr ich mit mir selber in Einklang kam, je mehr ich mich annahm und akzeptierte, je mehr ich mich zu lieben begann – um so erfolgreicher wurde mein Leben. Ich habe Erfolg nie ausgeschlossen für mich als Frau, habe ihn aber auch nie extrem gesucht.
    Ich wünsche dir alles Gute! Nichts macht eine Frau mehr sexy als Selbstvertrauen!
    Liebe Grüße Tina

    Antworten
    • Liebe Tina,

      danke für deinen wertvollen Beitrag. Tatsächlich sind gute Fragen ein SEHR guter Wegweiser.
      Ich habe mich gefragt, was will mir diese Situation sagen? Vermeidungsstrategien zeigten sich mir.

      Alles Liebe Gwynnefer

      Antworten

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