Sisterhood

Ich sitze mit meiner Herzensschwester am Lagerfeuer. Das Wetter ist grau, trüb und kalt.  Meine Stimmung ist nicht viel besser.  Die Flammen lodern, die Holzscheite knacken und Knistern vor sich hin. Wir hüten eingehüllt in Decken das Feuer. Die faszinierende, freundliche und seelenwärmende Atmosphäre lädt mich ein mein Herz zu öffnen.
Unser Leben schwingt in Wellen und Feldern. Wir Frauen sind besonders offen, sensibel und intuitiv dafür. Weibliche Wellen schwingen anders als männliche. Für mich ist es wichtig das zu erkennen. „Wo stehe ich gerade und wie schwingt es in mir?“ frage ich mich.
Ich erzähle meiner Schwester im Herzen von meinen Muttersorgen. Schon meine Mama pflegte zu sagen: „Kleine Kinder kleine Sorgen, große Kinder große Sorgen.“ Als junge Frau mochte ich diesen Spruch nicht. Was meine Mama damit meinte, kann ich jetzt mit zwei erwachsenen Töchtern gut nachempfinden.

Sie ist schön, auch in ihrem Leid.

Sie steht mit ihrem gebrochenem Herzen vor mir. Ich sehe sie an. In mir geht etwas mit ihrem Herzschmerz in Resonanz. Mir stehen auf einmal Tränen in meinen Augen. Ich will meine Tochter halten und trösten. Sie kämpft ihren eigenen Kampf. Es sind ihre Prozesse der Veränderung, die das Leben mit sich bringt. Ich verstehe das intellektuell. Mein Geist flieht vor dem Gefühl. Er will weg von dem Herzeleid. „Was kann ich für sie tun?“ frage ich mich immer wieder. Ich suche nach Lösungen für sie. „Willst du darüber reden?“ frage ich meine Tochter. Nein, sie mag jetzt nicht darüber reden. Sie sucht intuitiv in sich einen Ort auf, der nur ihr allein gehört. Es ist ein Ort des alleine seins, der Stille und der Zurückgezogenheit. Ich möchte sie glücklich sehen. Ich möchte wissen das sie sich nichts antut. Ich lasse meine Tränen los. Sie laufen mir die Wangen herunter. Ich muss auch meine Tochter loslassen, damit etwas in ihr ins fließen kommen kann. Der Schmerz und das Leid bringen uns Frauen näher zu uns selber. „Ich muss meiner Tochter den Raum geben, damit sie sich frei entfalten kann.“ erkenne ich. Ich erkenne auch, dass es tausend Mal wichtiger für ihre Weiblichkeit ist, meinen Schmerz zu fühlen.

Ich lege Holz in dem Feuer nach. Die Flammen schlagen wieder hoch. Meine Herzensschwester hört sich mein Herzensleid geduldig an. Ich fühle mich etwas erleichtert. „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ sagt ein Sprichwort. Ich finde Trost in unserem Gespräch. Mich beschleicht dabei so ein komisches Gefühl. Ich spüre das auch sie etwas bedrückt. Nachdem ich mit meinen Ausführungen fertig bin sagt sie zu mir: „Ach, weißt du was? Du sprichst mir gerade sehr aus meinem Herzen.“
Frauen erkennen sich in Frauen. Ich nehme die Wellen und Felder anderer Frauen wahr und dupliziere sie in mir.
„Liebe, erzähle mir doch von dir“ fordere ich sie auf. Elisabeth fühlt eine große innere Unruhe in ihrer Rolle als Mutter. Einen Traumpartner und danach immerwährende Liebe, Verständnis und Glücklich sein, so stellte sie sich das für ihre Tochter vor. Nun steht sie doch vor dem Scherbenhaufen ihrer Beziehung. Meine Schwester fühlt sich absolut hilflos. Sie sitzt mit der Mutter Ohnmacht und ihren beiden Kindern Traurigkeit und Wut an einem Tisch. Sie weiß nicht wohin mit sich und ihren heftigen Gefühlen. Der Blick von außen auf die Geschichte schmerzt sie sehr.

Ich erkenne mich in ihr

Ihre Tochter glaubt, nur einen bösen Traum zu haben. Sie lebt in der Hoffnung, dass alles wieder gut werden wird. „Bestimmt kommt er wieder zurück.“ denkt sie. Mit Panikattacken zieht sie sich in ihr inneres zurück. Ihre Tochter wendet ihr Leid gegen sich selbst. Gern möchte Elisabeth ihre Tochter auf den Schoß nehmen und schunkeln. So wie einst, wenn sie schlecht träumte als Kind. So gern möchte sie ihr sagen können, dass alles wieder gut werden wird.
Für meine Herzensschwester sind die hereinbrechenden Selbstzweifel ihrer Tochter kaum zu ertragen. „Ich bin daran schuld. Ich muss jetzt das richtige tun.“ lädt sie sich selber auf. Dabei verlässt sie ihre eigene Weiblichkeit. Stattdessen ist sie dabei meinen zu müssen, was für ihre Tochter gut sei. Elisabeth erkennt sich in mir und meiner Geschichte wieder. Wir begegnen uns in unserer Sorge um unsere Töchter. Wir teilen uns mit. Wir geben und nehmen zu selben Teilen. Unsere wahrhaftige Begegnung am Feuer ist für uns eine große Gnade. Es ist Gnade, wenn ein Zusammentreffen unter Frauen zur Begegnung wird. Frauen sind Gefühlsozeane, mal ganz still und sanft. Wir sind im nächsten Moment laut und wild. Jedes Gefühl darf sein.

Unsere Töchter verbrachten viele Jahre unter unseren schützenden Flügeln. Wir hatten Pläne für sie und wollten immer nur das Beste.  Doch jetzt ist die Zeit gekommen unser Flügel auszubreiten. Sie sind pflüge und leider keine kleinen Mädchen mehr.  Wir teilen unseren Abschiedsschmerz von unseren Mädchen. Das Leid führt uns Frauen zusammen. Für uns fühlt es sich wie ein Zeitenwechsel an. Die Zukunft ist noch nicht erfassbar. Das Loslassen von unseren Töchtern, macht uns traurig. Nun sind sie soweit, das Nest zu verlassen. Fast dreißig Jahre hat uns die Rolle als Mutter ausgefüllt. „Wer bin ich noch ohne diese Rolle?“ und „Was macht mein Leben zukünftig aus?“ fragen wir uns.

Das Leben ist im stetigen Fluss

Es verabschiedet sich von Altem, um Neuem Platz zu machen. Nichts gehört uns auf dieser Welt. Alles ist nur für eine Weile geliehen. Auch wenn das Loslassen und das Abschied nehmen schmerzt. Uns wird total klar, dass es eine zweite Abnabelung bedeutet. Wir sitzen am Feuer und wärmen uns gegenseitig. Es ist uns, als ob wir schon seit den Steinzeiten zusammensitzen, während die Männer auf Jagd waren. Wir Frauen haben uns unterstützt und alle Lebenszyklen miteinander geteilt.  Es tut uns gut von Frau zu Frau auszutauschen und darüber zu sprechen. Das gibt uns festen Boden unter den Füßen. Wir empfangen im Kreise der Schwesternschaft am Feuer eine Botschaft.

Für uns selbst, weise Frau zu sein ist genug! So erschaffen wir weniger Ohnmachtssituationen. Stattdessen übernehmen wir unsere Verantwortung, hin zur Heilung der Weiblichkeit. Wir Alten haben viele Kurse, Weitebildungen und Workshops in der Vergangenheit besucht. Nun ist es an der Zeit uns zu freuen über unsere vielfältigen Möglichkeiten.
Für uns selbst, weise Frau zu sein ist genug! Wir setzen uns damit für die Heilung unserer Töchter ein. Wir empfange sie mit unsere Liebe im Kreis der Frauen. Wir weisen alten Frauen schauen was sich daraus entwickeln will. Von Frau zu Frau gehen wir unseren Weg gemeinsam weiter.

Frauen tragen das Gleichgewicht von Frieden und Sicherheit in sich. Jede Mutter gibt das an ihre Kinder weiter. Jede Tochter, ehrt aus dem weiblichen Feld, die Ahnen. Jede Geliebte, gibt ihren Mann das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Frauen geben ihnen die Illusion, endlich irgendwo anzukommen. Frauen schenken Männern das Leben, ein Feld indem sie hineinwachsen.
Das Universum funktioniert. Wir Frauen sind ein Teil davon. Lässt du die Energie als offenen Kanal durch dich hindurchfließen, bist du mit dem Universum verbunden. Du fühlst dich sicher, weil du bemerkst, du musst nichts alleine auf deinen Schultern tragen. Wir Frauen sind auf ganz feine Weise miteinander verbunden. Frauenkreise erinnern dich daran. In der Zeit unter Frauen, bringen wir unsere spirituelle Seite an die Oberfläche. Diese Welle muss von Frauen unbedingt geritten werden. Wo findest du am besten Zugang zu deiner spirituellen Seite?
Frauenkreise in der Natur ist Heilung für unsere Seele.
An einem Bach kommen Dinge ins fließen.
Unter dem Mond fühlen wir die Energie des Universums in uns. Frau Mondin zeigt uns, wo wir in unserem Zyklus stehen. Das im Großen und Ganzen, genauso wie im Kleinen.
An einem Kraftplatz tanken wir unsere Kräfte auf.
Stehend auf der Erde verbinden wir uns mit ihr.
All das gehört zu den Bedürfnissen einer Frau. Ich lade dich ein, dich als einen Teil der Schwesternschaft wahrzunehmen. Komm, setze dich zu uns ans Feuer, ruhe dich eine Weile aus, und lausche…

Sisterhood

Hi Schwester im Herzen,
Du hast gerade so schwer an deinem Schicksal zu tragen.
Bist du zu stark, um schwach zu sein?
Zwischen kämpfen und resignieren,
Erlaubst Du dir keine Tränen?
Dein Spagat zwischen Hoffnung und Verzweiflung schmerzt
und du gibst dir nicht den Raum, um das zu fühlen?
Doch da ist deine Wut und du weißt nicht wohin damit?

Ich möchte Dich nicht mit Besserwisser und Klugscheißersprüchen nerven.
Ich will auch nicht als Gutmensch dastehen.

Ich bin einfach bei Dir!
Ich nehme Dich wortlos in meine Arme.
Ich verstehe die Kriegerin des Herzens so gut.
Ich biete dir meine Schulter zum Anlehnen.
Ich höre dir Wertungsfrei zu.
Ich umschließe Dich mit meinem Mantel, Hülle Dich ein.
Hier darfst zu solange verweilen, bis Dein Herz sich von all den Kämpfen erholt hat.
Auch eine Kriegerin des Herzens brauch die Zeit der Ruhe und des Friedens.

Erlaube es Dir, Schwester!!!

Guter Reichtum
Zeit der Freude, Liebe und des Friedens

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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Liebe Gwynnefer Sylvia!
    Ich habe eigentlich keine Zeit, doch wollte ich dir zuliebe lesen, was du schreibst. Doch nun bin ich so reichlich beschenkt, durch deine Worte, dass ich dir das unbedingt mitteilen muss. Danke für deinen Platz der Stille und Geborgenheit. Ich werde diese Zeilen wohl noch öfters lesen, denn dann kommt Ruhe in mein Mutterherz und Sicherheit, gerade das richtige zu empfinden. Auch ich bin im Loslassen meines zweiten Kindes, doch immer noch schreit etwas in mir: er ist noch nicht soweit. Er ist ausgezogen und er fehlt mir so sehr. Ich fürchte mich, es ihm zu zeigen, damit er nicht denkt, ich klammere. Ich hoffe, er weiß um meine Liebe zu ihm und spürt meine tiefe Verbundeheit. Auch ich wünsche deinem Mutterherz Frieden und Kraft. Alles Liebe Dora

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