Die Dominanz des Mitgefühls

Liebe Brigitta,

ich sehe ein Video bei Facebook von dir, indem du ehrlich zeigst, wie es dir geht, nachdem der Krebs sich zurückgemeldet hat. Ich bin tief berührt, erschüttert. Tief. Ich fühle mich fassungslos, entsetzt, hilflos, ohnmächtig. Tiefer, unendlicher Schmerz erfasst mich.

Ich lernte dich 2013 im Living Master Club kennen. Weißt du noch? Damals warst du mit dem Thema „Weiblichkeit“ in deiner Passion unterwegs. Ich verkaufe T-Shirts mit dem Aufdruck „kraftvolle Weiblichkeit“. Du bist meine erste Käuferin und bestellst gleich zwei bei mir. Ich freue mich sehr darüber. Darüber kommen wir in persönlichen Kontakt und uns näher.

Später gab es von Veit Lindau einen Tagesimpuls mit der absichtslosen Verschenke – Aktion. Du verschenktest bei dieser tollen Idee ein Überraschungspaket aus der Provence. Ich bewarb mich bei dir für das Geschenk. In der Liste vor mir standen jedoch schon andere. Und so machte ich mir wenig Hoffnung. Eines Tages, als ich gar nicht mehr damit rechnete, wurde ich tatsächlich von dir überrascht. Ich liebe es so herrlich, schön überrascht zu werden. Ich freue mich über den frischen Lavendel, die Lavendelseife, das kleine Deckchen mit dem Lavendel-Aufdruck und die Kräuter der Provence. Von dem selbstgetrockneten Rosmarin France habe ich heute noch etwas in meinem Küchenschrank stehen.  Du bereitest mir eine zweite, große Freude bereitet und hast unendlich beschenkt. Du machtest mich glücklich.

Über Social Media bekomme ich deine Diagnose Krebs so nebenbei mit. Bis zu einem Post von dir, welcher mich total beeindruckt.

„OBEN ohne

Seit meinem Fotoshooting habe ich beschlossen, kein Perücke und oft auch keine Mütze mehr zu tragen. Also Brigitta pur. So bin ich dann am Dienstag in die Chemotherapie. Und siehe da, heute zur letzten Chemo kam auch die Psycho Onkologin und hatte auch Zeit für uns. Ihr Blick ruhte auf meine OBEN ohne und es folgte daraufhin ein Gespräch. Ich sagte u.a. das ich auch so einkaufen gehen würde.
Damit kam sie aus meiner Sicht leider gar nicht zurecht. Ihr Argumente dagegen: “Ich würde Menschen brüskiert, also erschrecken und auch Angst machen (Kahlkopf = Krebs= Tod) und das auch noch ungefragt!”
Dann kam das Gespräch noch auf meine Kinder. Sie vertritt die Meinung das Kinder einen Krebsfreien Raum brauchen und die Mütter deshalb am besten mit Perücke im Haus rumlaufen. Meine Argumente, es komme sehr voll auf das Alter an (meine sind fast 18 Jahre) und auch wie man in der Familie damit umgeht.
Ein Gespräch mit meinen Kids war ganz klar:“ Mama, mit Perücke oder Mütze ist scheiß egal. Wie du dazu steht nimmt mir die Angst und nicht was du auf dem Kopf hast. Klare Worte. Das soll bitte nicht heißen, meine Meinung dazu ist richtig. Es ist meine Meinung dazu. Jeder kennt seine Kids und mit dem Bauchgefühl finden jede Frau den richtigen Weg. Eine große Rolle spielt auch immer das Alter – Keine Frage!
Nun meine Frage an dich:
Stell dir vor, du siehst mich im Kaufhaus, auf der Straße oder sonst wo. Was ist deine Meinung dazu.“
(Zitat von Brigitta Michaely auf Facebook)

Mir läuft es eiskalt den Rücken herunter, als ich das lese. „So eine tapfere, mutige Frau“, denke ich. Du gehst so offen mit deinem Krebs um. WUNDERvoll! Ich stehe voll hinter dir. Du brauchst dich nicht für deine Erkrankung zu schämen. Fachwissen allein reicht heutzutage nicht aus. Es ist gut so, wenn sich jemand pur zeigt, in welcher Form auch immer. Es darf auch zum Denken anregen, zum Hinschauen. „Brigitta kann nur das berühren, was im Inneren der Menschen schon da ist. An dem Ort entsteht eine entsprechende Reaktion.  Brigitta berührt eine Wahrheit. Sie hat die Wahl und alle anderen auch“, geistert mir durch den Kopf.
Seit dem Tag lässt mich dein Schicksal nicht mehr los. Du kämpfst so tapfer für deine Heilung. Du startest so viele wundervolle Selbstliebe-Aktionen, dass ich dich gern unterstützen möchte. Deine Tauschaktion, um dir die Reise zu den Delphinen finanzieren zu können, ist einfach der Hit. Ich habe mich so sehr mit dir gefreut.

Du und dein Kampf um Heilung wirst mir immer mehr ein Herzensanliegen. Ich möchte dich mit meinen Mitteln und Möglichkeiten unterstützen. Im April 2016 interviewte ich dich in meiner Serie „Femme fatale“. Du bist in dem Interview so klar, optimistisch, lösungsorientiert und gehst für deine Dinge. Das ist der Hammer! Mit dir zu arbeiten macht mir so, so viel Freude. Wieder machst du mich einfach „nur“ glücklich.

Nachdem wir uns nun schon so lange und innig virtuell kennen, darf ich dir im Oktober 2016 endlich ganz real bei dem Schreibglück Treffen in Baden – Baden begegnen. Es ist schön, mit dir essen zu gehen in der Pause. Es ist schön, für dich da sein zu dürfen. Es ist schön, dir in die Augen zu sehen, welche voller Lebensfreude sind.

Kurze Zeit danach bekomme ich mit, dass der Krebs zurückgekehrt ist. Genauso lösungsorientiert, wie du bist, überlege ich eifrig, wie ich dich aufbauen und ermutigen kann. Von dir lerne ich viel zum Thema „Selbstliebe“. Mit diesem Gedanken landest du als ein Selbstliebetürchen in meinem Adventskalender. Immer warst du für mich da. Wie eine Symbiose ergänzten wir uns immer in unserer gemeinsamen Arbeit. Wir hatten immer eine Win–win Situation. Du bist einzigartig und zauberschön!

Du zeigst mir meine eigene Ohnmacht mit dem Thema. Du lehrst mich, mich meiner Angst anzunehmen. Am allermeisten lerne ich durch dich, meine Wünsche und Bedürfnisse klar anderen gegenüber klar zu äußern.  Ich erlebe durch dich die Dominanz der weiblichen Macht und deiner Stärke. Ich spüre die Kraft die in dir brennt. Du bist bereit für Handlungen. Deine Taten sind an dem Guten, dem Wahren und dem Schönen ausgerichtet. Die Dominanz der weiblichen Macht liegt darin, Leben zu gebären, zu beschützen und zu pflegen. Das Leben ist zu kurz, um auf irgendwas zu warten oder etwas auf später zu verschieben.

Ich trommelte ein paar Menschen zusammen, die dich lieben. Sie alle möchten dir in einem „MUT mach Buch“ Mut machen. Ihr Geschichten mit dir sind so einzigartig, wie du es eben bist. Lass dich von uns durch deine schwere Zeit tragen! So wie ein Schatten werden wir dich begleiten.
Mögest du einig sein mit deinem Schicksal. Mögest du zum Guten wenden, was dich im Moment noch stört.

Ich liebe Dich!
Gwynnefer Sylvia

 

Cover: Karin Frauenfelder
Text und Foto: Gwynnefer Sylvia Kinne

 

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5 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Ich finde diesen Blogbeitrag sehr berührend und ich bewundere Frauen, die so mit ihrer Erkrankung umgehen. Und ich wünsche Brigitta alles erdenklich Gute!

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Welch’ berührender “Liebesbrief” an Brigitta!
Danke für Deine erMUTigenden Zeilen und Gedanken, Gwynnefer!
Ich wünsche Dir und Brigitta von Herzen alles Liebe für Eure Symbiose!

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Liebe Gwynnefer,

ich möchte dir für diese berührenden, zutiefst bewegenden Zeilen danken.
Eine Liebesgeschichte der ganz besonderen Art – schön, dass Brigitta & du Euch hattet, Euch erheben und aneinander wachsen durftet…
Vielleicht darf ich einen Artikel von mir verlinken, in dem ich über den Verlust meines Vaters schreibe: Das Thema Tod, überhaupt das Dunkle, das “Abgründige” sind mir sehr nah…
http://seisofrei-lebenskunst.de/category/tiefen-und-abgruende-des-lebens/page/2/

Alles Liebe zu dir, deinen Schwestern und Lesern,
Carolin

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…sorry, das war der falsche Link, bitte um Korrektur:

http://seisofrei-lebenskunst.de/2016/02/01/relaxed-elegance/

Herzlich, Carolin

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Liebe Gwynnefer,
und wieder laufen meine Tränen. Seit Tagen. Erinnerungen. Ihre Familie. Alles was sie hier gelassen hat. Vor allem: Ihre Spur, ihr Gehen. Möge mein Erbe möge ebenso kraftvoll sein. Sie leuchtet. Ihr Weg war ein Mutmachweg.
Danke für dein Tun, für dein Ihr-zur-Seite sein, für das Mutmachbuch.
Dieses WIR hat sie so getragen.
Was für ein Geschenk ihre Offenheit war/ist. Sie gibt mir so richtig Kraft.
Immer noch, mehr denn je.
Und Frauen wie du.
Wir wirken von überall her. Begegnen uns und sehen uns.
Ich liebe uns.
Danke, danke, danke für deine Zeilen, dein Erinnern, dein Fühlen, dein Sein, dein leuchtendes Herz.
In Liebe, MArgarete

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