Geld -Wert- Würde

Geld zu haben ist schön,

solange man nicht die Freude 
an Dingen verloren hat, 

die man nicht für Geld kaufen kann. 

( Salvadore Dali )

In Vorbereitung auf diesen Artikel nahm ich meine Aufzeichnungen aus dem Online-Kurs „Reichtumskurs“ zur Hand. Plötzlich waren da meine Glaubenssätze, die ich eigentlich schon vor Jahren bearbeitet habe. Eigentlich mag ich es nicht über Geld zu reden, denn kein anderes Thema zieht sich in dieser ständigen Ambivalenz durch mein Leben.

Was haben dir deine Eltern in Bezug auf Geld, Reichtum und Erfolg vorgelebt?


Hineingeboren in das DDR-System wurde Geld, viel Geld haben, mit Kapitalisten verglichen. Wer viel Geld hat, ist ein böser Kapitalist. „Kapitalisten sind schlechte Menschen“ wurde mir in der Schule im Geschichtsunterricht beigebracht. Meine Glaubenssätze „Geld regiert die Welt“ oder „Geld verdirbt den Charakter und ist böse“ und „Wer Geld hat, lebt gefährlich“ stachen mir in meinen Aufzeichnungen sofort ins Auge.

Welche Sprichwörter fallen dir in Bezug auf Geld, Reichtum und Erfolg ein?

Meine Eltern waren einfache Arbeiter und haben nicht viel verdient. Doch sie lehrten mich etwas Wesentliches für mein Leben. Aus dem Wenigen viel zu machen. Mir hat es an nichts gefehlt. Wir waren oft mit einem Picknickkorb in der Dresdener Heide unterwegs. In der Natur brauchten wir kein Geld. Wir lebten im Glück der kleinen Dinge, denn Geld allein macht nicht glücklich.
1990 wurde die Ostmark in Westmark umgetauscht. Im Volke herrschte sehr viel Unsicherheit und Angst. Angst davor, seine Ersparnisse zu verlieren und als Verlierer der Einheit dazustehen. Die Umstellung erfolgte in Etappen. Je nach Alter wurden zweitausend, viertausend oder sechstausend Ostmark pro Person im Verhältnis 1:1 umgetauscht. Der Betrag, der über dem Vorgegebenen lag, wurde 2:1 umgetauscht. Zuerst wurden die Scheine ausgewechselt und man konnte noch eine Zeit lang mit Osthartgeld als Zahlungsmittel bezahlen, welches später systematisch verschwand. Das war eine Tatsache mit der viele Bürger, vor allem ältere Menschen, überhaupt nicht zurechtkamen.
Meine Geldblockade saß allerdings sehr, sehr tief, so dass sie sich noch weiter durch mein Leben zog. Ich steckte in einer nicht enden wollenden Schleife fest. Ich war alleinerziehend mit zwei Kindern. Ich lebte nicht verschwenderisch. Ich hatte gerade immer so viel, wie zum leben gebraucht wurde. Finanziell sorgte ich alleine für meine Kinder. Ich spürte die Wut darüber in mir. Die Wut auf die Männer, die ihren väterlichen Pflichten nicht nachkamen. Die Wut auf die „bösen“ Reichen, die nur auf Kosten der Armen reich sein können. Tiefe Panik umfing mich. Wie sollte es weitergehen? Ich sah kein Vor und kein Zurück.

Welches Glück kann man von Geld kaufen? 
Und welches nicht?

Irgendwann erkannte ich: Ich steckte in einer Opferrolle fest. Und genauso wie es in mir aussah, so sah ich die Welt. Ich hatte so viel Wut in mir über das, was im Außen passiert war oder passierte, dass ich völlig meine Verantwortung abgegeben hatte. Und mir wurde klar: Ich komme nur aus dem Opfermodus raus, wenn ich etwas in meinem Leben verändere. Ich hatte genug davon, den Umständen oder Gott oder meinem Karma die Schuld daran zu geben, dass es mir schlecht ging und darauf zu hoffen, dass Gott mich doch endlich erretten würde. Mir wurde mehr und mehr klar, dass ich die Schöpferin bin. Ich musste sie nur noch in mir finden. So begann ich zu visualisieren, mir darüber bewusst zu werden: Was wünschte ich mir überhaupt im Leben? Was waren meine Träume, meine Ziele, was fühlte ich in meinem Herzen?

Ich übernahm die volle, alleinige Verantwortung für mich und meine Töchter. Ich hatte einen schweren Job, bin noch nebenbei arbeiten gegangen, war sehr fleißig um so einiger Maßen um die Runden zu kommen. Das, was ich bei meinen Eltern gelernt hatte, führte ich jetzt weiter. Ich machte aus dem wenigen viel. Ich hatte ein Ja zur Entschlossenheit, Konzentration und Beharrlichkeit. Ich besaß den festen, unendlichen Glauben an die Machbarkeit meiner Träume. Was natürlich nicht bedeutet, dass meine Geldsorgen von heute auf Morgen verschwanden. Aber jedes Mal, wenn ich den Gedanken „Ich habe kein Geld“ in mir identifizierte, begann ich mich zu fragen: „Ist es wirklich wahr, dass ich JETZT kein Geld habe?“ Und die Antwort war immer „Nein“. Das half mir, das Gefühl des Mangels nach und nach loszulassen bzw. das Gefühl ließ mich los, da ich merkte, mein Gedanke stimmte gar nicht.
Ja, es stimmte, ich war nicht reich, ich hatte vergleichsweise wenig Geld und doch war ich in der Lage immer häufiger die Fülle in mir zu spüren, diesen inneren Raum wahrzunehmen. Ich spürte die Fülle viel mehr in mir und so kam sie auch in meine Welt. Endlich konnte ich auch mal wieder in den Urlaub fahren und einfach mal Sommer, Sonne und Strand genießen. Doch trotzdem spürte ich immer noch Minderwertigkeit in mir. Und diese hielt die große Fülle ab, zu mir zu kommen. Denn die war ich ja nicht wert. Die Minderwertigkeit spürte ich besonders bei meiner Arbeit: Ich bin nicht gut genug, ich verdiene Fülle nicht, ich werde es nie schaffen…

Welche unbewussten Überzeugungen könnten sich hinter deinem Verhalten verbergen?

Wenn ich mir Geld als Person vorstelle, dann tritt sie in den Türrahmen und kommt nicht herein. Es hat keine Lust einen Schritt auf mich zu zu machen. Es steht in der Tür, beobachtet mich und sagt zu mir: Wer hinter dem Geld herjagt, wird es nie einholen. Auch hier half mir ein Hinterfragen meiner Gedanken und vor allem auch das Sein in diesem Moment. Das Spüren von mir selbst und der Liebe in mir, das Verwurzeltsein in mir sowie mit Mutter Erde. Und vor allem half es mir, einfach durch meine Angst und Minderwertigkeit hindurchzugehen und trotzdem meine Arbeit zu tun. Ja, die Minderwertigkeit wollte sich verstecken und mir einreden: Lass es einfach sein, hör auf mit deiner Arbeit.

Ich habe mich für einen Beruf entschieden, der heute kaum noch ausreichende monetäre Wertschätzung erfährt. Ich arbeite halbtags in der Altenpflege und in meiner Freizeit bin ich ein Schreiberling. Das ist kein Jammern und auch kein Neid. Überhaupt nicht. Es macht mich nur ratlos.
Was ich eigentlich sagen will, ist: Meine Arbeit macht mich glücklich. Dafür nehme ich es in Kauf, weniger als andere zu verdienen. Das ist eine bewusste Entscheidung, weil für mich der Sinn und der Wert dessen, was ich tagtäglich tue, über dem Verlangen nach Geld steht. Vielleicht ist das die Botschaft, die mir meine Eltern mitgaben und die ich ans Universum sende. Hey, eigentlich bin ich mit all dem glücklich, was ich habe!

 

 

Über die Autorin:
Gwynnefer Sylvia Kinne hat eine kraftvolle, verwurzelte Persönlichkeit. Ihr Reichtum an Ideen, Energie und Schwung, vereint sich mit Abenteuerlust und der Bereitschaft etwas zu bewegen. Darum lassen sich Menschen, explizit Frauen , von ihrer Energie und dem reinigenden Feuer gern anstecken. Mit ihr sind sie bereit, an eigene Grenzen zu stoßen und, wenn nötig, einen Umbruch zu starten.

www.kraftvolle-Weiblichkeit.de

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Bauch oder Kopf – wer entscheidet?
Gastartikel: Lilith – Der Schwarze Mond

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4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Schön geschrieben, Gwynnefer. Und was ist schon Geld? Geld hat keinen Gegenwert mehr…. das wird mir immer bewusster und gleichzeitig verwirrt es mich, denn ich weiß dadurch nicht mehr, wie ich in eine gesunde Position zum Geld kommen kann. Wenn Banken uns Wohnkredite geben oder ähnliches, müssen wir einen Gegenwert nachweisen. Das Geld, welches uns von der Bank gegeben wird, hat allerdings keinen Gegenwert mehr. Früher lag für jedes geliehene Geld irgendwo ein Goldbarren im Tresor. Doch heut? Was ist Geld heute eigentlich? Und wie hat es sich seinem Wesen nach in den letzten Jahrzehnten verändert? Ich glaube, es hat sich sehr verändert und ich komme nicht mehr hinterher, diese Veränderung zu verstehen …

Antworten

    Liebe Beatrice,

    mir fällt dazu ganz spontan ein Spruch ein, der auch zum Thema Geld passt.
    “Versuche mich nicht zu verstehen. Liebe mich einfach.”

    Alles Liebe zu dir
    Gwynnefer

    Antworten

Liebe Gwynnefer,

mit großem Interesse habe ich deine Zeien gelesen – danke für diese ehrliche Bestandaufnahme “in Sachen Geld.”
Auch spannend für mich zu lesen, wie du sozialisiert bist, weche Glaubenssätze wirken bzw. damals wirkten. Dieses “Aus wenig viel Machen” & das Bild vom Picknickkorb in der Dresdener Heide finde ich ganz wunderbar! Es wird deutlich, dass dir die “wahre” Fülle – das Lebensglück, das Teilen im Miteinander & kleine große Freuden – schon früh begegnet ist und dein Leben dieser Tage auch prägt (selbst wenn zwischendurch Frust, Wut, was auch immer dominierten).
Ich find das klingt klasse, wie du selbst bei einer weniger gut bezahlten Arbeit wie der der Altenpfegerin dich als “satt”, beschenkt fühlst. Und: Weiter so mit dem Schreiben, du tolle Schöpferin:-)!
Bei uns war gefühlt und ich glaub auch real stets Geld da, nicht übermäßig, doch gut ausreichend (bin in Celle bei Hannover geboren); Vater Jurist, Mutter Lehrerin, wir waren 4 Geschwister. Ich hatte tolle Hobbies wie Klavier & Ballett, gereist sind wir auch viel. In dieser Hinsicht ging’s uns gut.
Wer weiß wie viel Geld verdiene ich als Musiktherapeutin mit halber Stelle (im öffentlichen Dienst, das bringt diverse Vorteile) auch nicht. Musikalisch verdiene ich mir etwas dazu, und wer weiß, vielleicht auch irgend wann einmal als Yogalehrerin…Fühle mich in mit dieser Situation auch erfüllt und gewissermaßen reich. Mein Mann, Blindenlehrer/ Studienrat, ist sehr großzügig – ich habe also stets das Gefühl, als ist ausreichend Geld da. Gleichzeitig fühle ich auch, dass ich viel liebevolle Energie “rausschicke”, dass ich mich in zig Angelegenheiten um unseren Sohn und die Familie kümmere, dass ich selbst großzügig bin, auch gebe oder Projekte unterstütze, die ich gut finde (Beispiel: die Maas-Crowdfundingaktion). So fließt es dieser Tage. Das kann sich ja auch mal ändern, dann kommen wir irgendwie auch klar…

Alles Liebe für dich & deine Leser wünscht
Carolin

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