Gastartikel: LEBE! – Jetzt und mit Freude.

Mein Traum, mit 32 endlich Mama zu werden, hatte sich erfüllt. Diese Schwangerschaft versprach mir die glücklichste Zeit in meinem Leben. Und ich wollte so sehr achtsam mit mir und vor allem aber mit meinem ungeborenen Kind sein. Ich wollte diese Entwicklungszeit genießen. Doch dann kam alles anders. Beziehungsprobleme, mein persönliches privates Hamsterrad bis hin zum Burnout und dem Totalverlust sämtlicher Gefühle. Und all das während der vermeintlich puren Baby-Glücks-Zeit.
Im Nachhinein ist mir bewusst:

Vom Leben bekommst du nie das, was du willst. Sondern immer nur das, was du bereits bist!

Sämtliche Entscheidungen und auch Handlungen traf ich plötzlich aus reiner Muttersicht. Ich war doch dafür verantwortlich, die Familie zusammenzuhalten, ich musste doch schließlich kämpfen, ich war doch nun eine Löwenmama! Zudem ließ meine Überzeugung keine andere Option zu, denn ich dachte damals, dass einzig Mutter, Kind UND der Vater nunmal erst eine richtige Familie bilden. Auch dachte ich, dass ich jetzt alle Entscheidungen nur noch im Sinne des Kindes treffen kann und darf. Zudem glaubte ich wirklich daran, dass meine eigenen Eltern einen Herzinfarkt bekommen würden, wenn sie von dieser Schande erfahren würden, dass ich nicht gut genug für Mann und Kind wäre, dass ich eine Versagerin wäre, und dass ich als Alleinerziehende mit einem Haus voller Schulden dastehen würde. Einen Zusammenbruch dieser Struktur konnte und wollte ich meinen eigenen Eltern nicht antun. Darum wählte ich lieber meinen eigenen Zusammenbruch. Ich wollte es nunmal jedem rechtmachen: meinem Partner, meinem ungeborenen Sohn, meinen Eltern. Um dies jedoch bewerkstelligen zu können, sah ich die einzige Möglichkeit darin, eigene Bedürfnisse, Wünsche und vor allem Werte hintenan zu stellen und sie teilweise ganz und gar zu verraten. Der erste Nervenzusammenbruch folgte und daraufhin der zweite. Da ich mich schuldig fühlte, dass mein Baby diese Adrenalinstöße, diese Aufregung sowie diese tiefe Traurigkeit voll ab- bzw. mitbekam, und ich es schützen wollte, stellte ich kurzerhand alle Gefühle ein. Ich funktionierte nur noch. Ich war in diesem tiefen Sumpf von Verzweiflung, Ratlosigkeit und Resignation gefangen.

Wenn du mit etwas schwanger gehst, folgt früher oder später die Geburt.

Mein Sohn wollte und wollte nicht kommen. Ich war bereits 6 Tage über dem Termin und hatte schon zwei Tage lang Wehen. Immer wieder sagte ich mir: „So ein Geburtsprozess tut nunmal weh, sei doch froh, dass du wieder etwas fühlen kannst!“ Und dann war er da – mein Leo. <3 Ich sah ihn an und mir war klar:

– Dieses wunderbare, zauberhafte Wesen habe ich gemacht.
– Es wuchs in mir heran.
– Es ist ein Teil von mir.
– Ich bin eine kraftvolle und großartige Schöpferin des Lebens.

Dieses Kind zeigte mir auf, was Leben wirklich bedeutet und welche Werte ich habe.
Als er dann 6 Wochen alt war, trennten mein Partner und ich uns. In diesem Moment hielt ich meinen Kleinen ganz fest im Arm, weinte bitterlich und sah in seine strahlend blaue Augen und dass er lächelte. Zuerst dachte ich „Du kannst jetzt nicht lächeln, weil dein Papa uns verlassen hat.“, aber er grinste einfach weiter. Da erkannte ich: Egal was das Leben uns von außen auch schickt, egal wie verfahren oder ausweglos eine Situation erscheint, du allein bestimmst, wie du damit umgehst.

Weine oder lächle, es liegt in deiner Macht.

Von wegen machtlos dieser Situation ausgeliefert sein. Nein! Ich allein war dafür verantwortlich, wie ich mich deswegen fühlte oder was ich daraus machte.
So ging ich zwei Jahre lang den Weg als Alleinerziehende – in meinem Haus, mit meinen Schulden. Meine Eltern erlitten keinen Herzinfarkt, sondern ich erfuhr unglaubliche Hilfe und Wertschätzung. Ich lernte, dass ich Lehrerin und Schülerin gleichzeitig sein kann. Denn nicht nur ich brachte meinem Sohn Dinge bei, sondern täglich erfuhr ich von ihm, wie das Leben wirklich funktioniert, was für großartige Wesen wir sein können und was für ungeahnte Kräfte in uns stecken.

Zum ersten Mal in meinem Leben übernahm ich nicht ausschließlich für mein Kind Verantwortung, sondern in erster Linie für mich selbst!
Zum ersten Mal in meinem Leben spürte ich hin, was ich wirklich wollte, welche Wünsche und Bedürfnisse ich wirklich hatte, welche Träume. Und diese erfüllte ich mir.

Erst wenn du wirklich alleine bist, erkennst du, dass du niemals alleine sein wirst und immer genau die Hilfe bekommst, die du wirklich brauchst.

Und erst als ich es verstand, dass nur ich allein für mein Glück sorgen kann, konnte mein Partner wieder in mein Leben gelangen.
Erst als ich mir selbst treu wurde, konnte es auch mein Partner sein.
Erst als ich mich selbst liebte, liebte mich das Leben zurück.
Erst als ich meine eigenen Werte erkannte und respektierte, war es anderen mir gegenüber möglich.
Erst als ich gut für mich sorgte, war ich überhaupt erst in der Lage, gut für mein Kind zu sorgen.
Erst als ich meine Bedürfnisse erfüllte, konnte ich anderen tatsächlich helfen.

Ich begriff, dass ich zwar 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr und den Rest meines Lebens Mutter sein werde, aber auch, dass ich darüber hinaus noch ein eigenes Leben habe.

Unser Leben beinhaltet viele Rollen. Und die Rolle einer Mutter ist bei weitem nicht nur Hausfrau und das Muttersein an sich. Wir sind weiterhin Partnerin, Freundin, Vereinskameradin, Business Lady und vieles vieles mehr…
Du darfst nicht nur, sondern es ist vielmehr deine heilige Pflicht, aus dem Vollen zu schöpfen, dein Leben verantwortungsbewusst nach deinen Bedürfnissen und Wünschen zu gestalten. Gehe deinen eigenen Weg mutig, authentisch und aus ganzem Herzen – für dich und dein Kind.
Denn spätestens, wenn es erwachsen ist, erkennst du darin dein eigenes Leben. Spätestens, wenn es aus dem Haus ist, hast du ein verdammt großes Problem, wenn das deine einzige Aufgabe, dein einziger Lebenssinn und Grundlage aller Entscheidungen war. Plötzlich fällt jede Verantwortung weg, plötzlich ist da diese riesige Leere in dir, plötzlich hast du den Halt unter deinen Füßen verloren.

Das einzige, was uns Kinder lernen und wozu wir hier auf Erden sind, ist MIT FREUDE zu LEBEN.
Also LEBE! – Jetzt und mit Freude.


 

Über die Autorin:

Ich bin Susanne Ertle, Autorin, Stress- und Burnoutpräventionsberaterin sowie Mutter. Ich liebe es anderen Müttern dabei zu helfen, verantwortungsbewusst für eigene Bedürfnisse einzustehen und das Leben ihrer Träume zu führen. Dafür ist es nie zu spät! Auch wenn deine Kinder schon älter oder gar erwachsen sind. Sollte das auch dein Wunsch sein, oder möchtest du Klarheit bekommen, dann freue ich mich, dich kennenzulernen.
Schreib mir gerne eine E-Mail an lernen@susanne-ertle.de oder vereinbare einen Termin für ein persönliches Gespräch
Meine ganze persönliche Geschichte findest du im Buch „Burnout im Baby-Glück?“ 

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